Marathon-Mann

Da ich mich über die Osterfeiertage ausgeruht habe und meine Hauptbeschäftigung vorwiegend aus Essen bestand, habe ich an diesem Wochenende wieder voll angegriffen. Es stand die 200km Strecke beim Spreewaldmarathon auf dem Programm. Nach meiner letzten Fahrt von 112km, sollte dies nun mein erster Radmarathon werden. Anfangs war ich etwas skeptisch ob Gesäß und Beine schon für eine Strecke von 200 km bereit sind. Aber dazu später.

Am Freitag startete ich mit meinen Schwiegereltern in Richtung Lübben. Klaus, der Stiefvater meiner Freundin, kann ich getrost als Radsportveteran bezeichnen und so hatte ich einen erfahrenen Mann zur Seite, welcher mir ein wenig die Nervosität nehmen sollte. Die Anfahrt verlief reibungslos und so erreichten wir gegen 17Uhr Lübben im Spreewald. Dort meldeten wir uns für das 200km Rennen an, welches eigentlich ein RTF (heißt Radtourenfahren) ist, was bedeutet, dass keine Zeitnahme erfolgt und somit der Wettkampfcharakter auf den eigenen Ehrgeiz reduziert wird.

Nach der Anmeldung, welche mich statt der ausgeschriebenen 35€ nur 30€ kostete (Sparfuchs), ging es auf den Campingplatz der sich in unmittelbarer Nähe zum Startbereich befand. Die Anmeldung verlief ohne Verzögerung und wir erhielten eine Stempelkarte, die Startnummer, Kabelbinder und ein Verpflegungsarmband (zum Vorzeigen an den Versorgungspunkten auf der Strecke). Bild

Links unten der Campingplatz und rechts oben der Startbereich

Auf dem Campingplatz entluden wir erst einmal unsere Räder und richteten das Schlafgemach her. Da die Eltern meiner Freundin über ein, ich nenne es mal, Wohnmobil verfügen, dauerte das Aufbauen nicht lange, sodass wir danach noch eine kleine Runde durch die Innenstadt drehten und in einem Restaurant mit Blick aufs Wasser zu Abend aßen. Die Spreewaldplatte mit Grützwurst, Sauerkraut, Gurken, Kräuterquark, Leinöl und Pellkartoffeln war sehr lecker und ist jedem zu empfehlen der den Spreewald besucht. Danach fuhren wir noch etwa 15km mit dem Rad und erkundeten ein wenig die Gegend. Für Verpflegung war ausreichend gesorgt, denn es war kaum möglich keine Insekten einzuatmen.

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Unser Schlafquartier (ich habe im 1.OG geschlafen)

Am nächsten morgen standen wir um 6.15Uhr auf, da der Rennbeginn um 7.30Uhr erfolgen sollte. Wir präparierten unsere Getränke (Wasser mit Apfelsaft) und ich befüllte meine Trikottaschen mit Energy-Gels und Müsliriegeln. Zum Frühstück gab es etwas Müsli und eine Reiswaffel, da es ja auf der Strecke ausreichend Versorgungspunkte geben sollte. Nach Befestigung der Startnummern an den Rädern fuhr ich mit Klaus zum Startbereich und wir sortierten uns relativ weit vorne ein. Nach etwas missglückter Animation des Starters, fiel der Startschuss kurz nach halb acht der Tross setzte sich in Bewegung (laut Presse etwa 650 Fahrer). Klaus und ich suchten uns geeignete Hinterräder und so vergingen die ersten Kilometer wie im Flug. Das angegangene Tempo war sehr hoch (fast 40km/h) und ich umklammerte nur meine Bremsen um eventuelle Stürze zu vermeiden. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den ersten Verpflegungspunkte, an dem wir unseren Stempel abholten und etwas tranken. Danach verlor ich Klaus erst einmal, da ich mich irgendwie falsch eingeordnet hatte und warten musste bis der Gegenverkehr, der ebenfalls zum Verpflegungspunkt wollte, weg war. Ich fuhr dann erst einmal alleine, doch es dauerte nicht lange bis ich an eine größere Gruppe Anschluss fand, welche dann auch wenig später die Gruppe von Klaus einholte. Die Gruppe bestand etwa aus 50 Fahrern und wir fuhren in Zweierreihe sodass ich im Windschatten ordentlich Kraft sparen konnte. Nach den nächsten beiden Verpflegungsstationen fuhr man meist mit aus vorherigen Gruppen bekannten Gesichtern, welche zum Teil ein hohes Tempo vorlegten.

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DIe dunkelblaue Strecke ist die 200km Distanz und man sieht auch die Kontrolle- und Verpflegungspunkte.

Nach dem dritten Kontrollpunkt wurde das Terrain leicht hügelig und die Gruppe in der wir uns befanden machte ordentlich Tempo, sodass Klaus abreizen lassen musste. Auch ich war an einem Hügel schon fast weg, aber ich fuhr wieder heran um weiterhin das hohe Tempo gehen zu können. Leider war die Gruppe so auf das Rennen fokussiert, dass wir an einer Kreuzung nicht nach rechts sondern geradeaus fuhren, was sich wenige Kilometer als falsch herausstellte, sodass wir umkehren mussten und Klaus wieder vor mir war. An der Verpflegungsstation Lieberose machte ich nur kurz Pause, was sich als eher negativ herausstellte, da die große Gruppe mit der ich fuhr auf sich warten ließ. Ich fuhr dann mit einem netten Herren etwa 10-15km im Wechsel, was jedoch wesentlich anstrengender war als im Peleton mitzufahren. Als die Gruppe uns dann einholte, war es echt schwer dran zu bleiben, denn das Tempo war enorm und so fuhr ich eine ganze Zeit in letzter Position. Für alle die mal an einem Radrennen teilnehmen sollten, empfehle ich eine Position an der Spitze oder in der Mitte der Gruppe, da es am Ende der Gruppe sehr schwer ist dran zu bleiben. Ich fuhr dann in der Mitte des Feldes und so langsam senkte sich mein Puls wieder. Am vorletzten Kontrollpunkt nach 160km verpflegten wir uns und so fuhr ich weiter im Feld. Kurz darauf folgte der Zusammenschluss mit den weiteren Strecken (70km, 110km und 150km) und die Straßen wurden deutlich voller und auch das Tempo ging spürbar runter. Vorher fuhren wir fast einen 40km/h Schnitt, welcher dann aber auf etwa 35km/h nach dem Streckenzusammenschluss sank. Am letzten Kontrollpunkt in Lübbenau wartete Klaus auf mich und hier war die Stimmung sehr ausgelassen, da nur noch etwa 10km zu fahren waren. Hier gab es ein alkoholfreies Hefeweizen und eine leckere Kartoffelsuppe zur Stärkung. Diese war auch dringend notwendig, da ich langsam spürte wie meine Waden kurz vorm verkrampfen waren. Die letzten Kilometer fuhren Klaus und ich gemeinsam und wir wechselten uns ab. Im Ziel wurden wir von lauer Musik und Cheerleadern empfangen, die mir aber in diesem Moment total egal waren. Ich war einfach nur froh die Strecke hinter mir zu haben. Es folgten ein alkoholfreies Hefe und die Abholung der Medaille, welche eine goldene Spreewaldgurke ist. Danach ging es zum Campingplatz und es folgte die wohlverdiente Dusche.

Fazit:

Das Rennen war super organisiert und neben Rad fahren wurden auch andere Sportarten in unterschiedlichen Disziplinen angeboten, sodass die ganze Familie an dieser Veranstaltung teilnehmen kann. Die Kontroll- und Versorgungspunkte boten zahlreiche leckere Sachen (Crepes, belegte Brote, Obst, Schokoriegel, Gurken und und und) und die freiwilligen Helfer waren allesamt sehr freundlich und zuvorkommend. Der Support am Streckenrand war meiner Meinung nach nicht so doll, aber ich denke davon bekommt man während des Rennens nicht all zu viel mit.

Das Rennen zeigt mir, dass ich mit meinem Rad mithalten kann und dass das Fahren in der Gruppe sehr viel Spaß macht, aber auch eine hohe Konzentration voraussetzt. Besonders anstrengend war das zufahren der Lücken zur eigenen Gruppe, dann oftmals kam es zu Lücken wenn andere Gruppen überholt wurden. Meine Beine können noch ein paar Trainingskilometer gebrauchen um beim nächsten mal keine Angst vorm Wadenkrampf zu haben. Dies kann aber auch durchaus daran liegen, dass ich zu wenig gegessen und getrunken habe, denn gerade beim Rennen war ich sehr darauf fokussiert dem hohen Tempo meiner Gruppe zu folgen und vergas wahrscheinlich mich ausreichend zu verpflegen. Auf jeden Fall freue ich mich riesig auf den Velothon in Berlin und ich denke, dass dies nicht mein letztes Radrennen dieses Jahr gewesen sein wird. Das Tempo und das Gefühl am Ende etwas großes geleistet zu haben motivieren mich für meine weiteren Ziele.

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Hier mal meine Daten während des Rennens.

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Und hier noch einmal die Zusammenfassung

Danke auch an Klaus und Annette für das schöne Wochenende und das tolle Erlebnis.

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2 Kommentare zu “Marathon-Mann

  1. Pingback: Rennkalender für 2015 | Marcs Fahrrad-Blog

  2. Pingback: Spreewaldmarathon 2016 | Marcs Fahrrad-Blog

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