Harz aber herzlich

Nach nun zwei gescheiterten Anläufen die Strecke von Nordhausen zum Brocken mit dem Rennrad zu bewältigen, stand nun der dritte und letzte Versuch auf dem Programm.

Beim ersten Versuch, schickte mich der ADFC auf eine Route durch den Wald, welche mit unbefahrbaren Schotterpassagen aufwartete, die mir sowohl Kraft als auch Motivation raubten. Versuch Nummer zwei wurde erst gar nicht angegangen, da ich mit einem Infekt flach lag.

Da meine Freundin wieder von Nordhausen nach Brandenburg zieht, sollte es diesmal mit der Brockenbezwingung klappen. Auch ihr Stiefvater Klaus, welchen ich als Rennradveteran bezeichnen würde, war mit von der Partie und so starteten wir die etwa 110km lange Tour um etwa 9Uhr.

Die Strecke sollte uns durch Nordhausen, über Zorge, Hohegeiß, Elend und Schierke zum Brocken führen. Die Route plante ich vorher bei GPSIES, um sicherzustellen, dass ich diesmal auch ankomme. Die ersten Kilometer fuhren wir durch Nordhausen entlang einer relativ stark befahrenen Bundesstraße, bis wir auf eine ruhige Straße Richtung Ellrich abbogen. Das Profil hier ist flach und bis auf ein paar kleine Wellen, wenig anspruchsvoll.

Klaus hatte jedoch schon anfangs Probleme mein normales Tempo mitzugehen (30er Schnitt) und so merkte er an, dass sein Puls bereits beim Fahren im Windschatten viel zu hoch sei. Ich nahm ein wenig das Tempo raus, doch es änderte sich nichts an seinem Befinden. In Zorge angekommen, stand nun der erste Anstieg des Tages auf dem Programm. Bereits nach wenigen Metern signalisierte mir Klaus, dass ich die Tour alleine fortsetzen soll und nicht auf ihn warten muss. Die Auffahrt nach Hohegeiß ist für einen Flachlandradler wie mich schon eine ordentliche Herausforderung, doch ich war motiviert und bereit mich dieser zu stellen. Eigentlich dachte ich, dass ich die Berge relativ gut hochkomme, aber die alljährliche am Herrentag durchgeführte Bergwertung am Marienberg in Brandenburg mit 650m Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 5%, ist scheinbar kein Gradmesser für die Qualitäten am Berg.

 HohegeißAuffahrt von Zorge nach Hohegeiß (3,8km und 266 Höhenmeter) Quelle: http://www.quaeldich.de

Während der Auffahrt, fragte ich mich warum ich mir das eigentlich antue, denn mein Puls war enorm hoch und so richtig flüssig bewegte ich mich nicht den Berg hoch. Die Steigungen betragen an diesem Anstieg immerhin bis zu 14%. Dennoch biss ich auf die Zähne und irgendwie genoss ich es auch anderes Terrain befahren zu können. In Hohegeiß angekommen, nahm ich ein Xenofit Gel zu mir und erfrischte mich vor der Touristeninformation.

Danach sollte es über eine Nebenstraße (K1353) in Richtung Sorge gehen. Leider fand ich nichts straßenähnliches, sodass ich auf der B4 blieb (diesen Abschnitt der Strecke kannte ich noch von Versuch 1). Mein Befinden war gut und so erreichte ich schnell den Abzweig (K1353)  Richtung Elend und Schierke. Hier ging es ein wenig auf und ab und wenig später erreichte ich den Ort Elend, welcher den Startpunkt für die Brockenbezwingung darstellt. Wie dem Profil des Anstieges zu entnehmen ist, warten direkt ein paar ordentliche Rampen (bis 12,5%) zur Auffahrt nach Schierke.

Als ich Schierke passierte, waren zahlreiche Wanderer unterwegs, sodass ich davon ausging, dass auf der Strecke zum Brocken einiges los sein muss. Die Wirtschaftsstraße zum Gipfel war jedoch relativ leer und so musste ich nur ein paar Pferdekutschen überholen. Bereits am Anfang des Anstieges hatte ich Probleme mit der Schaltung und mein Umwerfer verwehrte mir mein kleines Kettenblatt. Anfangs dachte ich, dass ich es auch mit dem großen Blatt vorne schaffe, aber ich entschied mich dafür diesen Missstand zu beseitigen, was sich am Ende auch als goldrichtig erwies. Mit meinem bisher noch unbenutzten Topeak Mini 9 Tool konnte ich den Umwerfer vorläufig so einstellen, dass mir das kleine Kettenblatt vorn wieder zu Verfügung stand. Der Anstieg zum Brocken verläuft auf den ersten Kilometern noch relativ flach, sodass ich meine Windjacke sogar während der Fahrt überziehen konnte. Dann aber fing das Gequäle an, denn hier warteten Rampen von bis zu 15% und so hatte ich kräftig zu kämpfen. Im Wiegetritt ging bei mir nicht viel und so fuhr ich meistens im Sitzen nach oben. Besonders im oberen Abschnitt wurde es zunehmend steiler und das Umfahren der Wanderer war ein weiteres Hindernis. Teilweise dachte ich sogar daran abzusteigen, doch die Blöße wollte ich mir nicht geben und so kämpfte ich mich die letzten Meter nach oben.

BrockenAuffahrt von Elend zum Brocken (15km und 642 Höhenmeter) Quelle: http://www.quaeldich.de

Glücklich auf dem Gipfel angekommen, genoss ich die Aussicht und aß eine Banane. Es war sehr windig und der Wetterbericht hatte Gewitter für den Nachmittag angekündigt, sodass ich noch ein paar Bilder schoss und mich wieder auf den Weg nach Nordhausen machte. Es war zwar mein erstes mal auf dem Brocken, aber ich habe meiner Freundin versprochen auch mit ihr den höchsten Berg im Harz zu besuchen. Auch deshalb fiel mein Aufenthalt dort oben relativ kurz aus.

Nun stand also die Abfahrt an und ich agierte sehr vorsichtig, da meine Cantilever Bremsen nicht so der Kracher sind und weil zahlreiche Wanderer auf der Strecke waren, welche ich nicht über den Haufen fahren wollte. Während der Abfahrt schaute ich, ob Klaus mir entgegenkam – dem war aber nicht so. Meine Schaltung bereitete auch weiterhin Probleme und so musste ich mehrmals anhalten, da die Kette nicht mehr auf das große Kettenblatt vorn springen wollte. Auf dem Rückweg fuhr ich die von Koomot vorgeschlagene Route und ich war froh, dass ich die K1353 von Sorge nach Hohegeiß nur auf dem Rückweg nutzte. Die Strecke eignet sich meiner Meinung nach nicht für die Abfahrt mit dem Rennrad, da die Straße in einem ziemlich schlechten Zustand ist. Meine Stimmung und meine Beine waren gut und die Tatsache, dass es sich bei dieser Auffahrt um den letzten Anstieg des Tages handelte, stimmte mich positiv.

Nun stand noch die Abfahrt von Hohegeiß nach Zorge auf dem Programm und ich war froh, dass es nicht regnete, denn sonst wäre ich wohl sehr langsam runter gefahren. Ich ließ größtenteils laufen und verzichtete darauf noch zusätzlich in die Pedale zu treten. Spitzengeschwindigkeit war etwa 70km/h, was ich mehr als ausreichend finde, solange die Cantilever Bremsen ihren Dienst an meinem Rad verrichten.  Die letzten 20 Kilometer nach Nordhausen waren flach und so schaffte ich noch einen 30er Schnitt hinzulegen. Etwa gegen 14 Uhr und mit einsetzendem Regen erreichte ich die Wohnung meiner Freundin und wunderte mich, dass Klaus nicht da war. Etwa 30 Minuten später kam er sichtlich fertig in der Wohnung an und so erfuhren wir, dass er nur bis Elend fuhr und sich auch so fühlte.

Am Ende standen 115km auf meinem Garmin, welche ich in 4h37min absolvierte (Schnitt: 25km/h). Es war eine schöne und auch harte Tour und endlich habe ich den Brocken bezwungen. Hier könnt ihr noch einmal das Höhenprofil der Strecke sehen und bei Interesse einen genaueren Blick auf meine Strava und Garmin – Daten werfen.

StravaHöhenprofil und gefahrene Geschwindigkeit

Weiterhin Gute Fahrt

Marc

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Ein Kommentar zu “Harz aber herzlich

  1. Pingback: Höhenmeterjagd bei der RTF Adlerrunde 2015 | Marcs Fahrrad-Blog

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