Radsport im Verein

Seit diesem Jahr bin ich als aktives Mitglied in einem kleinen Radsportverein (1. RSV Germania Gräben) tätig und möchte in diesem Beitrag über meine Erfahrungen und die Unwägbarkeiten z.B. bei der Suche nach Sponsoren und der Organisation von Rennen berichten. Einen Teil konnte ich selbst erfahren und der Rest stammt aus Erzählungen von unserem Vereinsvorstand. Die hier dargestellten Aspekte spiegeln meine Eindrücke wider und sicherlich gibt es auch andere Auffassungen und Erfahrungen.

Unwägbarkeiten

Zuerst einmal bereue ich meine Entscheidung in einen Radsportverein einzutreten keineswegs. Auch wenn der Verein sehr klein ist und ich mir mehr gemeinsame Ausfahrten gewünscht habe bzw. immer noch Wünsche, gab es schon einige tolle Erlebnisse. Der Vorteil eines kleinen Vereines ist, dass man sich viel aktiver in das Vereinsleben einbringen kann. Natürlich hat jeder andere Erwartungen und Wünsche, doch ich denke ein wenig Engagement hat noch niemanden geschadet. Denn gerade von diesem Leben die zahlreichen Vereine. Viele Veranstaltungen von Zeitfahren, Rundrennen, Permanenten bis hin zu RTFs werden durch Radsportvereine organisiert und leisten einen wichtigen Beitrag zum lokalen und regionalen Radsport. Dabei hat auch der Radsport, wie alle anderen Sportarten mit den Folgen des demographischen Wandels zu kämpfen. Bei einer RTF im Havelland, berichtete der Veranstalter, dass es schwierig ist Nachwuchs zu finden, welcher dann wiederum die Veranstaltungen von morgen organisiert. Toll fand ich hier, dass einige Flüchtlinge Interesse am Radsport zeigten und den Verein bei der Durchführung der RTF unterstützten. Oftmals ist die Sogwirkung der Volkssportart Fussball einfach zu groß, um Nachwuchs für den Radsport zu gewinnen. Ich kannte in meiner Schulzeit jedenfalls keinen, der aktiv Radsport im Verein betrieb und zu dieser Zeit war der Radsport in Deutschland sicher populärer als heute (Ulle lässt grüßen). Die Anschaffungskosten eines Rades und des passenden Zubehörs sind vermutlich eine weitere Hürde.

Wenn ich mir 2013 nicht das Kreuzband gerissen hätte, würde ich wahrscheinlich auch noch jeden Sonntag dem runden Leder hinterher rennen und mir die wöchentlichen Klatschen in Orten wie Bamme oder Großwudicke abholen. Nun bin ich aber mit meinem Rad unterwegs und habe an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen, die nur durch das Engagement der beteiligten Vereine überleben. Auch wir vom 1. RSV Germania Gräben haben in diesem Jahr zwei Rennen veranstaltet und ich habe miterlebt, wie hoch der Aufwand von der Vorbereitung bis zur Umsetzung ist. Neben administrativen und bürokratischen Dingen, wie bspw. das Einholen von Genehmigungen, ist auch die Verpflegung und medizinische Versorgung vor Ort sicherzustellen und auch die Werbetrommel muss gerührt werden. Und natürlich freuen sich die Teilnehmer über Medaillen und Preise, welche durch Sponsoren finanziert und bereitgestellt werden müssen, da der Verein keine roten Zahlen schreiben will bzw. kann. Dazu darf man nicht vergessen, dass der Großteil der Vereinsmitglieder einer Beschäftigung nachgeht und ein Engagement in der Freizeit stattfindet. Unser Vereinsvorsitzender hat bei der Organisation eines Crossrennens zahlreiche Stunden damit verbracht Sponsoren zu finden und Material für das Rennen zu besorgen. Auch ich habe bei den Rennen, die wir veranstaltet haben beim Aufbau mitgeholfen, Kontakt zur Sponsoren aufgenommen, Karten erstellt und die vereinseigene Facebook-Seite betrieben. Natürlich macht mir das Spaß, sonst würde ich es nicht machen, ich will nur verdeutlichen, dass an einem Rennen, das oft nur wenige Stunden dauert, eine lange Vorbereitungszeit hängt.

Das Thema Sponsoren war für mich neu und zugleich interessant. Viele Vereine profitieren von persönlichen Kontakten oder haben Mitglieder o. Vorsitzende denen ein Unternehmen gehört, welche dann finanziell unterstützen. Oftmals bestehen diese Partnerschaften schon lange und das Finden von neuen Sponsoren ist nicht so einfach. Zum einen ist Radsport immer noch eine Randsportart und vermutlich verfügt jeder Fussball-Kreisligist über ein höheres Budget als die meisten Radsportvereine. Zum anderen gibt es oftmals mehrere Vereine, die dann noch um die Gunst der potenziellen Sponsoren buhlen (Fahrradläden z.B.). Auch ich habe versucht einige größere Firmen, die Radsportprodukte herstellen zu kontaktieren und bekam in vielen Fällen nicht einmal eine Rückmeldung. Immerhin gelang es uns SKS zu überzeugen, Produkte für unser Rundstreckenrennen zur Verfügung zu stellen (vielen Dank falls jemand von SKS mitliest). Auch dies gelang nur über persönliche Kontakte, die ich im Rahmen meines Blogs herstellen konnte. Ich denke mit diesem Thema könnte man sich durchaus detaillierter und fundierter auseinandersetzen, belasse es in diesem Fall aber dabei und behaupte, dass es wirklich schwierig ist als Radsportverein Unterstützer zu gewinnen. Die Skandale des Profiradsports der letzten Jahre haben die Situation sicher nicht vereinfacht, auch wenn langsam wieder ein positiver Trend im deutschen Radsport erkennbar ist. Zudem zeigt sich, dass auch größere Events wie die Neuseenclassics in Leipzig mit diesen Probleme konfrontiert sind, auch wenn es hier deutlich kommerzieller zugeht.

Positive Erfahrungen

Nachdem ich nun die Probleme der Radsportvereine angesprochen habe, möchte ich natürlich auch auf die positiven Aspekte eingehen. Trotz des zeitlichen und finanziellen Aufwandes, den ein Verein aufbringen muss um eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, entschädigt das positive Feedback der Teilnehmer nach einer erfolgreichen Veranstaltung enorm. Bei unserem Straßenrennen in Ziesar, war das Teilnehmerfeld leider sehr klein, sodass natürlich ein wenig Enttäuschung aufkam, weil man zuvor viel Zeit investierte. Die positiven Rückmeldungen bestärkten uns als Verein, aber dass wir eine tolle Veranstaltung organisiert hatten. In meiner Zeit als Fussballer, habe ich mich nie so aktiv in das Vereinsleben bzw. die Vereinspolitik eingebracht und schon deshalb war der Eintritt in den Verein ein Zugewinn für mich. Außerdem lernt man viele Leute kennen, die das gleiche Hobby haben und mit denen man ausführlich fachsimpeln kann. Auch die gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen machte eine Menge Spaß und man kann vom Wissen der Vereinsmitglieder profitieren. Ich kam durch einen Kumpel zum Radsportverein und auch andere Freunde konnten wir für den Verein begeistern. Für das nächste Jahr ist neben der Teilnahme an zahlreichen RTFs (die Wertungskarte muss wieder gefüllt werden), auch die Teilnahme an der Königin der Klassiker geplant (Paris-Roubaix), wo wir unsere Vereinsfarben über die Kopfsteinpflasterpassagen jagen werden. Man lernt also nicht nur Leute kennen, die die gleiche Leidenschaft zum Radsport haben, sondern schließt auch Freundschaften. Toll sind natürlich auch die Vorzüge wie vergünstigte Teamkleidung, ein Versicherungsschutz und die vergünstigte Teilnahme an RTFs (wenn Wertungskarte vorhanden). Der Blog Jule Radelt hat hierzu eine schöne Zusammenfassung geschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte: http://www.jule-radelt.de/2012/12/04/ohne-radsportverein-kein-radsport/

Absolutes Highlight aus Vereinssicht war meiner Meinung nach die Veranstaltung des 3. Laufs der Berliner Offroadserie, einer regionalen Rennserie, die sowohl Lizenzfahrern aller Altersklassen, als auch Hobbyfahrern die Möglichkeit bietet unter Topbedingungen Crossrennen zu bestreiten. Hier hat vor allem unser Vereinsvorsitzender Daniel viel Herzblut investiert und eine tolle Strecke abgesteckt bzw. geplant. Auch die anderen Vereinsmitglieder haben zum Gelingen des Rennens beigetragen und ich denke wir können stolz sein, als Verein mit ca. 10 Mitgliedern eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben. Toll war auch die gemeinsame Weihnachtsfeier in Kombination mit der jährlichen Vereinsitzung. Hier wurden vereinsinterne Dinge besprochen und es gab Ehrungen für die aktivsten und erfolgreichsten Vereinsmitglieder.

Ich persönlich kann nur empfehlen sich einem Radsportverein anzuschließen, egal ob man nun Anfänger oder ambitionierter Amateur ist. Man kann aktiv Veranstaltungen mitgestalten anstatt- wie es der Deutsche gerne tut- zu meckern und sich zu beschweren. Treffend finde ich die Aussage „Ohne Radsportverein kein Radsport“, denn zwar kann jeder alleine seine Runden drehen, aber um an Radrennen und sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen, bedarf es der ehrenamtlichen Arbeit der Vereine und deren Mitgliedern. Diese planen, organisieren, improvisieren und veranstalten Jahr für Jahr, unter sich erschwerenden Bedingungen, tolle Rennen, die für alle Radsportler zugänglich sind und den Radsport zu solch einem tollen Hobby machen.

Natürlich gibt es auch Vorbehalte und oftmals wird von „Vereinsmeierei“ geredet, ohne genau definieren zu können was das genau ist. Ich glaube Gesellschaftskritik ist in diesem Fall unangebracht, aber anstatt sich immer nur zu beschweren und eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen, täte dem einen oder anderen Partizipation und Gemeinschaft ganz gut. Ich habe mit dem Vereinseintritt auch lange gezögert und überlegt, ob dies das richtige für mich sei, aber ich kann jedem der mit dem Gedanken spielt nur dazu ermuntern einem Verein beizutreten. Für mich überwiegen ganz klar die Vorzüge, bin aber auch offen für Meinungen, die gegen den Eintritt in einen Radsportverein sind.

Was denkt ihr über Radsportvereine? Zeitgemäß oder überholt?

 

 

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Ein Kommentar zu “Radsport im Verein

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