Wenn der Berg ruft…

Als Flachlandtiroler im schönen Brandenburg, fehlt es mir als Radfahrer nur selten an etwas. Gegenwind ist ausreichend vorhanden, tolle Radwege und Gegenden in den man mit dem Rennrad unterwegs sein kann, gibt es genügend und landschaftlich hat das Havelland auch einiges zu bieten. Doch spätestens wenn die Tour de France im TV mit ihren tollen Berglandschaften und Anstiegen die Massen verzückt, juckt es den meisten Flachländlern in den Waden. Ich zumindestens bekomme Fernweh und auch das Bedürfnis schöne Anstiege mit dem Rennrad zu bewältigen.

Den Brandenburger Endmoränen in allen Ehren, aber die Bezeichnung Berg oder Hügel haben diese nicht verdient.

Da der diesjährige Sommerurlaub in die Alpen ging, war dies eine schöne Gelegenheit das erste Mal richtige Passluft zu schnuppern. Bisher waren der Harz, das Tramuntana Gebirge auf Mallorca und der Passo Balino am Gardasee, im wahrsten Sinne des Wortes, die Höhepunkte meiner „Kletterkarriere“.

Lermoos/Ehrwald

Erste Station war die Zugspitzregion, genauer die Gemeinde Lermoos bei Ehrwald. Hier verbrachten meine Freundin und ich hauptsächlich Zeit mit dem erkunden der Natur und dem genießen der Aussicht. Urlaub ist ja Entspannung und mit einem lädierten Knöchel bei meiner Freundin waren keine ausgiebigen Wanderungen drin. Richtige Pässe, wie man sie auf der Platform Quäldich.de findet, sind in diesem Gebiet eher Mangelware, aber besser „unkategorisierte Anstiege“ als zehnmal den Hausberg in Brandenburg hochzufahren, um auf 200 Höhenmeter zu kommen. Auch die Kollegen mit dem Rennrad waren schwer zu finden, denn hier ist das Mountainbike König der Wald- und Wanderwege.

Am 07.08. passte dann die Gesamtkonstellation und ich begab mich auf meine erste kleine Runde. Zuerst musste jedoch das Fahrrad montiert werden (Sattelstütze montieren und Vorderrad einhängen), denn dieses fuhr im Urlaub stets im Auto mit. Ursprünglich hatte ich geplant noch die Laufräder und Bremsbeläge zu wechseln, um der Windanfälligkeit zu trotzen und bessere Bremsleistungen zu erzielen. Ich war aber zu faul und entschied mich auch aus Optikgründen für die 50 mm Carbon Laufräder.

Nun aber zur ersten Tour des Urlaubs. Ich startete in Lermoos und als erstes Ziel machte ich die Talstation der Ehrwalder Bergbahnen aus, welche auf einer Höhe von 1.225 m liegt. Der Anstieg ist 3.2 km Land und hat eine durchschnittliche Steigung von 7,4%. Da ich es einfach nicht gewohnt bin Anstiege zu fahren, war sehr schnell die kleinste Übersetzung aufgelegt und ich suchte vergeblich nach einem kleineren Gang. Insgesamt fand ich aber einen fahrbaren Rhythmus, welcher mich in 15:22 min hinauf brachte (24 Platz von 131 Strava Fahrern). Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 12,7 km/h und die durchschnittliche Leistung bei 286 Watt. Die Abfahrt war rasant und ich musste zwischendurch bremsen, da ich doch ein wenig Schiss hatte. Die Geschichten von überhitzten Felgen und damit verbundenen Reifenplatzer inkl. Kontrollverlust bei hoher Geschwindigkeit, zeigen bei mir Wirkung. Nach der Abfahrt fuhr ich dann noch zu den Ehrwalder Almbahnen hinauf. Auf dem knapp 2 km langen Anstieg waren 107 Höhenmeter zu überwinden, was einer durchschnittlichen Steigung von 5,6% (laut Strava) entspricht. Die ersten 1,4km des Anstiegs sind wirklich einfach zu fahren und ich konnte hier locker treten. Die letzten 600m hingegen sind mit im Schnitt 10% Steigung recht sportlich. Auf der Abfahrt bremsten dann einige Autos meine Fahrt und die restliche Strecke bis Lermoos fuhren sich durch Rückenwind und leiches Gefälle sehr entspannt.

Relive-Video der Fahrt in Ehrwald

Sölden

Am Tag darauf führte uns unsere Reise nach Sölden und da der Wetterbericht gutes Wetter prognostizierte, planten wir eine Radtour. Für meine Freundin gab es ein Elektrofahrrad der Marke Giant, mit welchem Sie mehr als anständig motorosiert war. Für mich gab es mein Rennrad, betrieben mit Muskelkraft. Der Plan war die Auffahrt nach Obergurgl. Von dort wollte ich alleine auf das Timmelsjoch fahren. Start war die Talstation Gaislachkogel, welche ich vom Ski fahren kenne. Von hier aus hat man nur wenige Meter zum einrollen, bis die ersten zweistelligen Steigungsprozente zu bewältigen sind. Wir rollten also los und überholten gleich ein paar ungläubig blickende Mountainbiker. Meine Freundin hatte schon nach den ersten Kurven keine Lust mehr, weil es nur bergauf ging 🙂 . Bis Zwieselstein ging es aber ganz gut, doch dann folgten ein paar Kehren auf denen ordentlich Höhenmeter gemacht wurden. Ich quälte mich hoch und meine Freundin zersägte mich mit ihrem E-Bike ordentlich. Der Anstieg führte uns über die relativ stark befahrene Straße, entlang einer schönen Landschaft durch 2 Galerien. Danach waren wir schon fast in Obergurgl an der Talstation. Hier entschied sich meine Freundin Pause zu machen und auf mich zu warten. Für mich ging es also weiter Richtung Timmelsjoch. Man sagt ja, dass es sich bei der Auffahrt von Sölden um die leichtere Variante handelt. Die ersten Kehren fand ich aber alles andere als leicht und so arbeitete ich meinen nicht bergtauglichen Körper den Berg hinauf. Die Steigungsprozente nahmen dann kurz vor der tollen Mautstation deutlich ab und ich konnte mich ein wenig erholen. Der Wind pfiff hier oben bereits ordentlich. Nach der Mautstation folgt erst einmal eine Abfahrt, auf der man ein paar Höhenmeter verliert (da kommt Freude auf -.- ). Danach sieht man aber ungeschönt, was einen auf den nächsten Kilometer erwartet. Schnörkellos geht die Straße berghoch. Keine Kehren, saftige Steigung, Nebelschwaden und Gegenwind. Läuft. Ich arbeite mich also weiter nach oben und der Tacho zeigt nur selten Geschwindigkeiten jenseits der 10 km/h an. Wieder so ein Moment in dem man sich fragt, warum man sich das eigentlich antut. Am Straßenrand beobachten die Kühe Autos und Radfahrer und mit meiner roten Windjacke, fürchte ich mich ein wenig vor unerwarteten Attacken. Die Kühe bleiben aber friedlich. Die Landschaft ist karg und durch die tief hängenden Wolken, welche von der Sonnen angestrahlt werden, ergibt sich eine mystische Kulisse.

Nach der langen Geraden, die den Berg hinauf geht, warten ein paar Kehren, welche nun auch die Höhenmeter anzeigen. Kehre für Kehre arbeite ich mich nach oben und die Sicht wird immer schlechter. Nächstes mal nehme ich mir Beleuchtung mit. Oben angekommen gibt es auf Grund des Nebels nicht viel zu sehen und auch Wind und Kälte laden nicht zum Verweilen ein. Das obligatorische Passfoto wird gemacht und ich beginne mit der Abfahrt.

Auf den ersten Kehren bergab bekommt man schon ordentlich Speed drauf und der Wind bläst mir ziemlich stark ins Gesicht. Ab einer bestimmten Geschwindkeit wird es mir zu bunt und ich bremse ab. Wenn bei knapp 80 km/h das Vorderrad leicht zu schlackern anfängt, erschreckt man sich schon ein wenig. Ich denke hier sind locker 100 km/h drin. Nach der rauschenden Abfahrt wartet ein fieser Gegenanstieg, welcher mich deutlich die vorherigen Höhenmeter spüren ließ. Nach Durchfahrung der Mautstation warten ein paar schlne Kurven, welche eine Menge Spaß machten. An der Station Obergurgl, welche ich vom Winterurlaub bestens kenne, sammelte ich meine Freundin ein, die sich ein Glück nicht langweilte. Gemeinsam starteten wir die Abfahrt. Meine Freundin war begeistert, weil sie über 50km/h fuhr und auch mir machte es Spaß. Wieder in Sölden angekommen, machten wir halt auf der Hängebrücke beim Mpreis und fuhren dann weiter hinunter in den Ort, welchen wir dann noch erkundeten. Kurz darauf trieb uns aber der Hunger in ein Restaurant an der Talstation Gaislachkogel und wir verspeisten Spaghetti Bolognese.

Höhenprofil von Sölden bis zur Spitze

Insgesamt brauchte ich für den 21,7km langen Anstieg knapp 1h 45min, was in etwa der mittleren Zeit auf dem Portal quäldich.de entspricht. Der Gegenwind im oberen Bereich hat ordentlich Körner gekostet, sodass es bei idealen Bedingungen sicher ein wenig schneller gegangen wäre. Im Schnitt fuhr ich 13,1km/h und trat 230 Watt. Keine Wahnsinnzahlen, aber am Ende bleibt der erste „richtige“ Alpenpass im Palmarès und die Tatsache, dass meine Freundin so „einen Scheiß“ nicht noch einmal mit mir macht.

Meran in Südtirol

Nächster Stopp des Urlaubs war dann die schöne Stadt Meran in Südtirol. Auch dort konnte ich mich aufs Rad schwingen und ein paar Höhenmeter machen. Ich startete in Algund und fuhr dann zum Radweg, welche nach Bozen führt. Dieser führte mich dann nochmal durch Meran und war sehr gut ausgeschildert. Ich hatte mir an diesem Tag den Gampenpass als Ziel gesetzt und mich vorher auf Quäldich.de pber die verschiedenen Varianten informiert. Da ich ja nicht oft in den Bergen bin, muss es schon hart sein wenn ich fahre. Und so entschied ich mich für die Anfahrt über Nals. Die Beschreibung mit den Worten „wer es gern etwas steiler hat…“ hätte mir eigentliche eine Warnung sein sollen, doch ich wollte ja nicht hören. In Nals angekommen ging es gleich nach der ersten Kurve ordentlich in die Höhe und ein Straßenschild mit der Ankündigung einer 14% Steigung versüßten mir die Vorfreude. Ich lasse in diesem Fall mal das Profil für mich sprechen.

Ich kann ohne weiteres sagen, dass dies das steilste Stück Berg war, das ich je gefahren bin. Kleinster Gang, Puls am Limit und Gedanken ans Schieben begleiteten mich die ersten 2,5km des Anstiegs. Strava spuckt hier bei einer Länge von 2,4km eine durchschnittliche Steigung von 11% aus. Für mich auf jeden Fall ausreichend, um mir die Beine für den restlichen Anstieg zu zerschießen. Die restlichen 13km mit einer Durchschnittsteigung von 6,5% konnte ich daher nur noch im reduzierten Modus fahren. Eigentlich ein sehr schöner gleichmäßiger Anstieg, mit einer tollen Aussicht und guten Straßenqualität. Die Abfahrt war dann umso schöner. Breite, leere Straßen und langgezogene Kurven machten richtig Spaß. Für die Auffahrt brauchte ich 1h34 min und für die Abfahrt nur 15 Minuten. Den Pass kann ich auf jeden Fall empfehlen, denn er ist sehr schön zu fahren und man hat eine tolle Aussicht ins Tal. Der Rest ist schnell erzählt. Radweg nach Meran und wieder nach Algund. Eine wirklich tolle Gegend zum Rad fahren. Hier noch der Link zur Aktivität.

Bodensee
In der zweiten Urlaubswoche verweilten wir dann am Bodensee. Eine wirklich sehr schöne Gegend. Nach einer 50km Radtour mit meiner Freundin von Friedrichshafen nach Lindau, wurde es noch einmal sportlich.


Ich suchte mir über Gpsies.de eine Tour heraus, welche ein paar Höhenmeter bereit hielt und am nächsten Tag ging es los. Fahrrad startklar, Montur angezogen und los geht es. Denkste! Das Garmin war mal wieder aus unerklärlichen Gründen leer und so verbrachte ich die nächsten 30 Minuten damit, schmollend auf die Ladeanzeige des Gerätes zu schauen, bis die 50% erreicht waren. Dann ging es endlich in Richtung Norden zum Höchsten, einem Berg in der Nähe. Landschaftlich eine sehr schöne Strecke mit schönen Anstiegen und ruhigen Straßen. Der Anstieg zum höchsten ist 8km lang und mit einer durchschnittlichen Steigung von 4% (laut Strava) gut zu fahren. Oben angekommen, wartete ein knapp 20 km lange Bergabpassage auf mich. Hier konnte ich schön laufen lassen und ordentlich Gas geben. Wirklich spaßig. Danach folgte noch ein kleiner Anstieg, der mit 4km und 5% Durchschnittssteigung eigentlich ganz gut klappte. Kleine Rampen von über 10% machten es aber doch anstrengend. Auf der relativ kurzen, aber sehr steilen Abfahrt erreichte ich die Tageshöchstgeschwindigkeit von 73 km/h. Danach folgte dann eine kleine Irrfahrt, die mich zum Teil über Waldwege und stark befahrene Bundesstraßen führte.

Profil der Bodenseerunde

Fazit

Insgesamt bin ich im Urlaub öfter aufs Rad gestiegen, als ich erwartet habe. Den Traum vom Stelvio konnte ich mir leider nicht erfüllen, aber für das nächste Jahr gibt es schon Planungen. In der Summe stehen 265 zurückgelegte Kilometer mit ca. 4.300 Höhenmeter. Um dies hier in der Heimat zu schaffen, müsste ich den Marienberg fast 100 mal hochfahren. Nein, Danke. 🙂

Beim nächsten mal in den Bergen, werde ich auf Carbonlaufräder verzichten und wieder zur herkömmlichen Alumodellen greifen. Auch der Verlust des ein oder anderen Kilos würde sich für weitere Touren in den Bergen lohnen. Neben der Lust die Berge mit dem Rennrad zu befahren, hat mich aber nun auch wieder die Lust gepackt, vermehrt mein Mountainbike zu benutzen.

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Ein Kommentar zu “Wenn der Berg ruft…

  1. Pingback: Das Jahr neigt sich dem Ende … | Marcs Rennradblog

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