Bikefitting – eine sinnvolle Investition?!

Schon lange überlegte ich, ob ein Bike Fitting nicht eine sinnvolle Investition für mich wäre. Da ja vor kurzem mein 30. Geburtstag war und ich tolle Freunde habe, bekam ich einen Gutschein für ein Bike Fitting bei der Bike Academy Berlin. Ich möchte in diesem Jahr noch ein paar Kilometer fahren und so legte ich den Termin direkt auf den Dienstag nach dem Urlaub.

Schon vorher habe ich  probiert vernünftig auf dem Rad zu sitzen und durch Tipps in Fachzeitschriften und Foren meine Sitzposition zu optimieren. Wie gut das geklappt hat, sollte bei Thomas von der Bike Academy Berlin überprüft werden. Der Kontakt mit Thomas per Mail war sehr locker und die Begrüßung per Handschlag bestätigten das. Nach einem kurzen Gespräch, welche Probleme ich auf dem Rad habe und was das Ziel des Fittings sein soll, schlüpfte ich in meine Radklamotten und begab mich in den „Raum der Wahrheit“. 🙂

Zuerst standen ein paar Beweglichkeitsübungen auf dem Programm, um zu schauen wie flexibel ich bin. Die Beine waren soweit in Ordnung, doch im Beckenbereich ist noch Potenzial vorhanden. Erklärt auch warum ich keinen Hüftschwung ala Ricky Martin habe. Außerdem riet Thomas mir unbedingt Übungen mit der Faszienrolle zu machen. Danach folgte die Vermessung meines Rades und Thomas übernahm die Werte in sein System.

Da ich öfter über Probleme im linken Schulterbereich klage, griff Thomas dies bei seiner Analyse auf und stellte fest, dass bereits im Beckenbereich Unterschiede auszumachen sind. Danach ging es dann auf einen Fußscanner, welcher meine Füße vermaß und auch den Druck der Füße analysierte. Hochspannend wie man so steht und welche Unterschiede zwischen den beiden Füßen herrschen. Danach schauten wir auf meine bestehenden Sidi Schuhe. Diagnose: viel zu schmal. Dadurch müssen sich die Füße bei Belastung ordentlich verbiegen, was alles andere als optimal ist.


Vielleicht kurz was zum Ansatz den Thomas verfolgt. Angefangen bei den Füßen, welche die Basis bilden, über den Beckenbereich, wird sich mit Druckenmessungen an Sohlen und Sattel der optimalen Position auf dem Rad genähert. Ziel dabei ist es sowohl auf dem Sattel, als auch bei den Füßen eine möglich gleichmäßige Druckverteilung hinzubekommen. So würde ich das mal ganz verallgemeinert darstellen.

Die Schuhe sind also schon einmal zu eng. Dennoch bekomme ich jetzt Sohlen, welche den Druck beim pedalieren messen und der Sattel wird ebenfalls mit einem Überzug versehen, welcher den Druck misst. Mein Rad würde übrigens in einen Cyclus 2 Ergometer eingespannt.

Mein Rad eingespannt in den Cyclus 2

Die Messungen erfolgten bei 200 Watt in drei gängigen Griffvarianten (Oberlenker, Bremsgriffe, Unterlenker) und waren hauptsächlich für die Druckmessungen am Sattel. Darauf folgte bei 300 Watt die Messung des Pedaldrucks. Die ersten Auswertungen passte hervorragend zu den Problemen, die Thomas bereits bei den Beweglichkeitstest ausmachte. Einseitige Belastung auf dem Sattel und viel Druck aufs Pedal durch den großen linken Zeh. Außerdem eine sehr unruhige Haltung und ein umherrutschen im Schuh und auf dem Sattel, ergo wenig Stabilität. Die Ursache war schnell identifiziert und so wurde der Sattel niedriger gestellt und weiter nach vorne verschoben.


Thomas bot mir dann auch gleich Schuhe von Shimano an, doch das Modell in meiner Größe gefiel mir nicht wirklich, sodass wir mit meinen Schuhen weitermachten. Optimal wäre es natürlich die weiteren Anpassungen direkt mit dem richtigen Schuh zu machen. Jedenfalls habe ich jetzt gelernt, dass Schuhe von Shimano mit dem Zusatz „E“ für breitere Füße geeignet sind.

Wie wiederholten die Messungen und neben Einlegesohlen aus Carbon, welche provisorisch mit einem Keil versehen wurde, stellte Thomas auch den Sattel tiefer und ging auch beim Lenker eine Etage tiefer (heißt einen Spacer weg). Die Messungen zeigten nun deutlich, dass ich mich im Schuh und auf dem Sattel weniger bewege und der Druck gleichmäßiger verteilt ist. Zudem ist die Sattelmitte entlastet und ich drücke das Pedal eher mit dem Fußballen, als mit der Spitze.

Dann gab Thomas noch Tipps, wie ich demnächst auf dem Rad sitzen soll. Denn eins kann Thomas nicht und das ist zaubern. Zwar können Sitzposition und andere Komponenten sehr gut eingestellt werden, aber an der Haltung und Beweglichkeit muss man selber arbeiten. Die Vorher/Nachher-Gegenüberstellung meiner Haltung auf dem Rad ist schon eine Offenbarung. Runder Rücken, durchgestreckte Arme und kein sichtbarer Hals in der Seitenansicht, so sah es vor dem Fitting aus (siehe Bild in der Galerie). Jetzt sitze ich durch die Einstellungen und Anpassungen deutlich besser auf dem Rad. Nicht nur aus Sicht der im Fitting durchgeführten Messungen, sondern auch nach Thomas Einschätzung.

Auf den Bildern könnt ihr den Unterschied in der Sitzposition deutlich erkennen. Der Druck am Fuss ist gleichmäßiger und wird in diesem Fall durch den untergelegten Keil im rechten Fuss ein wenig verzehrt. Auch der Satteldruck ist gleichmäßiger und die Sattelmitte ist nahezu druckfrei.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was bedeutet dies nun für die Zukunft? 

Ich habe bei Thomas direkt ein paar Carbonsohlen von Solestar geordert, welche an meinen Fuß angepasst werden und ich habe das Internet nach neuen Schuhen durchsucht. Laut diversen Foren sollen die Schuhe von Shimano, Specialized und Northwave etwas für breitere Füße sein. Des Weiteren habe ich noch einen Sidi Schuh bestellt, der die Bezeichnung „mega“ trägt und für breitere Füße gemacht wurde. Ich bin gespannt und werde berichten. Durch die Anpassungen der Sitzhöhe wurde leider auch deutlich, dass meine Sattelstütze von Canyon, die nach dem Blattfederprinzip funktioniert, nicht tief genug gestellt werden kann und somit keine optimale Klemmung und Funktion mehr gegeben ist. Bedeutet hier also auch eine Neuanschaffung. Insgesamt ein teurer Spaß, aber ich will ja auch noch langfristig auf dem Rad sitzen und mir nicht durch etwaige Fehlbelastungen irgendwelche chronischen Probleme einhandeln. Toll war auch, dass Thomas mir die Auswertungen und Übungen noch am selben Abend zusendete. So konnte ich direkt losschrauben und mich auf der Faszienrolle quälen.

Insgesamt kann ich das Bike Fitting bei der Bike Academy Berlin nur empfehlen. Thomas ist ein sehr kompetenter Zeitgenosse mit einer großen Expertise. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, ob er den Empfehlungen folgt und sich neue Schuhe oder sonstiges Zubehör anschafft. Ich hatte mit meinen Schuhen nie Probleme, aber vertraue da auf das Wissen eines Experten und bin bereit Änderungen vorzunehmen. Vielleicht klappt es ja die immer wiederkehrenden Probleme im linken Schulter-Nacken-Bereich loszuwerden. Klar ist auch, dass ich nicht jedes Jahr über 10.000 km mit dem Rad abreisse und dies als Hobby betreibe, aber da ich dieses noch lange ausüben möchte, bin ich bereit etwas dafür zu investieren. 🙂

Nach dem Fitting habe ich direkt meinen Crosser angepasst und bin am darauffolgenden Tag von der Arbeit nach Hause gefahren. Es ist auf jeden Fall nicht so einfach alte Muster abzulegen, aber ich habe versucht auf meine Haltung zu achten. Darüberhinaus empfahl Thomas mir auch freie Übungen im Fitnessstudio zu machen. Dies werde ich auf jeden Fall in mein Training integrieren.

Wenn ihr Fragen zum Thema habt könnt ihr mir diese gerne stellen. Der Preis für das Fitting beträgt übrigens 250€. Auf den ersten Blick viel Geld, aber wenn jeder überlegt wieviel Geld er schon für weniger nützliches Material ausgegeben hat, relativiert sich der Preis. Zudem schadet es nicht sich um seinen Körper zu kümmern, man hat schließlich nur den Einen. Und was gibt es schöneres, wenn der trainierte Körper eine perfekte Symbiose mit dem edlen Rennrad eingeht 🙂

Ich hoffe, dass ich dieser mit dem neuen Equipment und der neuen Sitzposition ein Stück näher komme.  Die richtige Voraussetzungen wurden durch das Bike Fitting auf jeden Fall geschaffen.

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3 Kommentare zu “Bikefitting – eine sinnvolle Investition?!

  1. Pingback: Das Jahr neigt sich dem Ende … | Marcs Rennradblog

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