Mein Winterprojekt…

Die Liebe zu Fahrrädern war bereits in meiner Jugend stark ausgeprägt. Bereits im zarten Alter von 10 Jahren wälzte ich mit meinem Cousin die Fahrradkataloge und träumte von Mountainbike-Ikonen aus dem Hause GT, Cannondale, Rocky Mountain und anderen Herstellern. Unnötig zu erwähnen, dass damals  das nötige Kleingeld fehlte.


Durch ein bisschen Recherche in einem Mountainbike-Forum stieß ich auf Old- und Youngtimer der Mountainbikebranche und Kindheitserinnerungen wurden geweckt. Schnell landete ich beim GT Zaskar, welches früher eines der besten Mountainbikes war und auch heute noch von Liebhabern geschätzt wird. Eine kurze Recherche bei Ebay-Kleinanzeigen und Anfrage im Forum später, landete ein GZ Zaskar Rahmen aus dem Jahr 1996 bei mir zu Hause. Ein wirklich schönes Exemplar und erstaunlich leicht. Leider habe ich beim Zusammenbau kaum Bilder gemacht, da mein Keller einfach keine schöne Kulisse darstellt. Dafür war ich heute noch einmal unterwegs und habe ein paar Aufnahmen gemacht.

Doch nun ging die Arbeit erst los. Da es sich um meinen ersten Radaufbau handelte, musste ich erst einmal eine Teileliste zusammenstellen und überlegen in welche Richtung die Optik gehen soll. Mir schwebten Magura Bremsen, Rock Shox Gabel und XTR- Ausstattung vor. Hier habe ich leider ein hervorragendes Angebot verpasst, sodass ich mit einer XT-Ausstattung auskommen musste. Es ist wirklich erstaunlich zu welchen Preisen 20 Jahre alte Teile gehandelt werden. Man braucht Glück und Geduld, um die passenden Teile zu bekommen. Da ich keine Geduld habe, entschied ich mich für XT-Komponenten, welche gegen 1995 am Markt waren. Ebay, Ebay-Kleinanzeigen und der Basar des Mountainbike-Forums waren die Bezugsquellen meines Vertrauens.

Nachdem ich etwas Licht in den Steuersatzdschungel bringen konnte, wurde dieser meine erste Investition. Der Einbau erwies sich als schwierig, da ich natürlich kein Werkzeug zum Einpressen besitze. Ich entschied mich für die Selbstbaulösung und dies klappte hervorragend. Stilecht wäre natürlich nur ein Chris King Steuersatz gewesen (ca. 100 -150€), aber ich wollte finanziell nicht ausrasten, sodass ich mich für einen FSA-Steuersatz entschied. Als nächstes folgten Laufräder, Rock Shox Judy Gabel und eine angemessene Bereifung. Ich wählte die Panaracer Smoke mit beiger Flanke, was eine gute Entscheidung war, wie man am Endprodukt sehen kann.

Der Einbau des Steuersatzes war auch ein bisschen aufwendiger, da ich für meinen Syncros Vorbau keine passende Ahead-Kappe hatte. Diese ist nämlich abgeschrägt und kaum zu bekommen. Die Lösung lag wie so oft im Internet und so fand ich eine Datei für den 3D-Druck der Steuersatzkappe. Ich suchte nach einem Dienstleister und ließ durch Übermittlung der Datei zwei Steuersatzkappen aus unterschiedlichen Materialien drucken. Die Kosten hierfür lagen bei 20€. Nachdem dem Kappen da waren musste ich noch ein wenig mit den Spacern spielen, um die Montage abzuschließen. Jetzt passt alles und ich bin im 3D-Druck-Zeitalter angekommen. Den Spacer kaufte ich gegenüber der Arbeit im Fahrradladen für 2€. Merke: Der Weg zum Händler ist manchmal doch sinnvoll.

Nachdem der Steuersatz montiert war, folgte der Einbau des Innenlagers. Hierfür war erst einmal das richtige Werkzeug von Nöten, welches ich ebenfalls bestellen musste. Das erste Innenlager, das ich bestellte passte natürlich nicht. Die Kurbel war zu nah an der Kettenstrebe und so musste ich ein anderes Innenlager bestellen, welches dann aber passte. Hierbei ist es wichtig an das Montagefett zu denken.

Generell musste ich mehrmals umdisponieren, da z.B. die XT-Schalt/Bremshebel-Kombination sich nicht so zerlegen ließ wie ich dachte. Verkauf und Neukauf anderer Schalthebel waren die Folge. Bei Lenker und Sattel verzichtete ich auf einen zeitgemäßen Aufbau und auch so baute ich eher die Dinge nach persönlicher Vorliebe an, als auf die genaue zeitliche Korrektheit der Komponenten zu achten. Zudem hatte ich auch immer das Budget im Auge. Soviel sei schon mal gesagt – ich hatte Angebote für Kompletträder, die geringer waren. Die Montage der Bremsen war ohne Bedienungsanleitung etwas fummelig, doch dank Internet konnte ich die hydraulischen Bremsen montieren. Danach folgte das Schaltwerk, welches ich zunächst ohne Kette einstellte. So langsam fügte sich das Werk zusammen und ich begann mit den Lenker zu bestücken. Schalthebel, Bremsgriffe und Griffe wurden montiert und die Verlegung der Schaltzüge gelang sehr gut.

In den letzten Zügen stellte sich heraus, dass ich den falschen Umwerfer bestellt hatte, denn die Zugführung kommt beim GT Zaskar von unten. Der Umwerfer muss jedoch von oben „angesteuert“ werden. eBay-Kleinanzeigen lieferte schnellen Ersatz und so konnte ich die Montage fortführen. Nachdem ich die Kette montiert hatte, folgte die Einstellung der Schaltung. Bei der ersten Ausfahrt war ich überrascht, wie präzise und knackig die alten Schaltkomponenten noch funktionieren. Leider ist der Rahmen nicht für hydraulische Bremszüge konzipiert, sodass ich hier leider auf Kabelbinder zurückgreifen musste.

Die erste Probefahrt war super und das Rad funktioniert tadellos. Ich denke, dass ich bei der Vorbaulänge noch einmal justieren muss, da ich doch sehr gestreckt auf dem Rad sitze. Ich werde das Rad vor allem für Radtouren und Ausflüge zu Eisdielen verwenden. Ich finde es ist sehr gelungen und ein kleiner Jugendtraum ist nun erfüllt.

Einige Lehren, die ich aus dem Projekt gezogen habe:

  • nachmessen verhindert nachbestellen
  • Fahrräder sind keine Raketenwissenschaft
  • 3D-Druck ist eine feine Sache
  • Kleinteile im Fachhandel kaufen
  • Retro MTB-Teile kosten zum Teil noch richtig viel Geld
  • selber bauen macht glücklich
  • Internetforen sind ein Hort des Wissens
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