Schleizer Dreieck 2018 – nicht jeder Mann kann Jedermann

Zu meinem 30. Geburtstag im letzten Jahr bekam ich von einem Freund ein besonderes Geschenk. Er begleitet mich bei einem Radrennen. Da es langweilig ist nur beim Start und bei der Zieleinfahrt dabei zu sein, suchte ich nach einer Veranstaltung, welche einen Rundkurs zur mehrmaligen Umrundung anbietet. So landete ich bei Jedermann-Rennen Schleizer Dreieck, welches zum German Cycling Cup (GCC) gehört. Natürlich entschied ich mich für die längste Streckenvariante (150 km = 20 Runden) und meldete mich direkt an. Durch Recherchen erfuhr ich, dass das Rennen am Schleizer Dreieck sehr hart sein soll und nach dem gestrigen Tag kann ich dies nur bestätigen.

Höhenprofil der Runde

Der GCC ist die Rennserie der deutschen Jedermannelite und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich von dieser meilenweit entfernt bin. Schon beim Abholen der Startunterlagen am Samstag, blitzten überall gut gebräunte und glattrasierte Waden hervor und der BMI der Teilnehmer lag deutlich unter dem deutschen Durchschnitt. Da kommt man sich als Normalgewichtiger mit dezentem Feinkostgewölbe schon ziemlich fett vor. Nach dem Abholen der Startunterlagen fuhren wir die Strecke mit dem Auto ab und das Profil war mir nicht unbedingt auf den Leib geschnitten. Steigungen bis 11 % und kurze bissige Anstiege verteilt auf einer 7,5 km Runde. Die Idee der Ummeldung auf die 75 km habe ich relativ schnell verworfen, was sich im Nachhinein als dämlich herausstellte. Der Wetterbericht für Sonntag prognostizierte niederschlagsfreies Wetter und die Vorbereitungen am Samstag Abend an Material und Fahrer liefen problemlos ab.

Nach kurzem Frühstück am Sonntag ging es zum Startbereich, wo die Trikots der deutschen Jedermannelite dominierten. Der Startschuss erfolgte um 9 Uhr und es dauerte nur weniger Meter, bis ich mich in einem Grupetto wiederfand. Unter enormer Anstrengung konnte ich die ersten 3 km noch dran bleiben, doch dann folgte der kurze und heftige Anstieg, an dem ich abreißen lassen musste. Das Segment heißt bei Strava zurecht „The Punisher“. Die erste Runde absolvierte ich in 12:43 min was einem Schnitt von fast 35 km/h entspricht. Nachdem nun die Spitzengruppe enteilt war, hatte ich auch ordentlich Probleme weiteren Gruppen zu folgen. Auf den Bergabpassagen und „Flachstücken“ konnte ich gut mithalten, aber sobald es bergauf ging, musste ich abreißen lassen. Ich orientierte mich hier stark an meiner Wattleistung, da ich nicht komplett überziehen wollte. Dies war auch die richtige Strategie, sonst wäre das Rennen wohl schon nach 3 Runden für mich vorbei gewesen.

Das Tempo mit dem die Topfahrer die Anstiege hochfuhren war wirklich beeindruckend. Während ich „The Punisher“ in einer Bestzeit von 2:28 min absolvierte (369 Watt Durchschnittsleistung) benötigte der schnellste Fahrer an diesem Tag nur 1:31 min! Auch beim Blick auf die Rundenzeiten wird schnell deutlich, dass diese Veranstaltung zwei Nummern zu groß für mich war.

So fuhr ich also den Großteil der Zeit alleine und wurde mehrmals von den Spitzenfahrern überrundet. Die Anzeige der Restrunden im Ziel demotivierte enorm und auch die Beine wurden nicht besser. Innerlich entschied ich mich irgendwann die 100 km voll zu machen und danach aus dem Rennen auszuscheiden. Spätestens als für die Spitzengruppe noch 2 Runden angezeigt wurden und ich noch 6 Runden zu fahren hatte, war die Motivation am Boden. Ich wäre dann vermutlich einer von etwa 10 verbliebenden Fahrern gewesen und diese Aussicht erschien mir nicht sehr rosig. Im Endeffekt habe ich mich hier wohl ein bisschen übernommen und konnte lernen, dass eine solche Veranstaltung eher nicht der richtige Ort für mich ist. Klar weiß ich, dass ich niemals um den Sieg bei einem solchen Rennen mitfahren werde, aber so eine derbe Packung möchte man auch nicht bekommen. Positiv war auf jeden Fall der Support an der Strecke und die Unterstützung von Philip. Jetzt habe ich wenigstens mal ein paar Bilder von der Strecke, die ich zeigen kann. Danke dafür.

Nachdem ich die 100 km vollgemacht habe (14 Runden) schied ich also aus dem Rennen aus. Nur wenige Minuten später überfuhr der Sieger der 150 km Strecke in einer Zeit von 3:53h die Ziellinie. Ihr wisst Bescheid.

Jetzt noch ein paar Daten. Insgesamt legte ich 14 Runden zurück, was einer Streckenlänge von 103 km entsprach. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 27,7 km/h und der Durchschnittspuls lag bei 158 bpm. Die durchschnittliche Leistung lag bei 224 Watt. Die Anstiege haben mir ganz schön den Zahn gezogen und ich versuchte hier stur nach Powermeter zu fahren, um nicht zu überziehen. Insgesamt kamen 1500 Höhenmeter zusammen. In der Strava-Aktivität sieht man auch, dass die Geschwindigkeit und getretene Leistung in den letzten Runden nachlässt. Am Ende war es eine sehr gute und sehr harte Trainingseinheit, in der ich mal wieder Anstiege fahren konnte. Wer eine Veranstaltung sucht, um ein bisschen Jedermann-Feeling zu bekommen, sollte sich hier vielleicht für die kurze Variante und maximal für 78 km Variante anmelden. Alles andere ist Selbstmord 🙂 Durch das Profil und das unterschiedliche Leistungsniveau kommt es vor allem an den Anstiegen zu einer Selektion der Gruppen, was dazu führte, dass ich den Großteil des Rennens alleine fuhr. Auch das Fahrerfeld ist mit 347 Teilnehmern überschaubar und spätestens wenn die 35 km, 75 km und die Spitzenleute der 150 km Gruppe von der Strecke sind, wird es hier sehr einsam.

Die Veranstaltung war super organisiert und die Strecke wirklich anspruchsvoll. Das Fahren auf einer traditionsreichen Rennstrecke war schon etwas Besonderes und auch die komplette Sperrung für den Autoverkehr war hervorragend organisiert. Bei der Essensauswahl nach dem Rennen hätte ich mir mehr Auswahl gewünscht. Es bleibt festzuhalten, dass Jedermann nicht gleich Jedermann heißt. Während man in Berlin beim Velothon oder bei den Cyclassics in Hamburg Fahrerinnen und Fahrer aller Leistungsklassen trifft, war in Schleiz wirklich die Jedermannelite am Start. Wer Lust hat sich die Ergebnislisten anzuschauen kann gerne hier klicken.

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2 Kommentare zu “Schleizer Dreieck 2018 – nicht jeder Mann kann Jedermann

  1. Hallo
    Guten Tag
    Wunderschöner Blog-Post. Informationen für alle zur Verfügung stellen. Dank für das Teilen dieser Art der Informationen sehr nützlich. Ich hoffe, bald wieder mehr informative Blogeinträge von Ihnen zu lesen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Onma

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  2. Pingback: Velorace Dresden: Mitstreiter gesucht – ri-muensterland.de

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